Unser neues Glockenspiel

Aus der Pressemitteilung: 

„Nu klingt so hell, so froh dör`t Land van alle Täörn de Klocken, een Alleluja aohne End, een Jubel un Frohlocken.“ Mit diesen Zeilen beschrieb der münsterländer Heimatdichter Bernhard Holtmann den Morgen des Ostersonntags Anfang des 20. Jahrhunderts. 

 

Eine eigentümliche Erfahrung mussten viele Gläubige in diesem Jahr machen: An Ostern, dem wichtigsten Fest der Christenheit, konnten keine öffentlichen Gottesdienste stattfinden. Doch landesweit gab es ein wahrnehmbares Zeichen der Verbundenheit: das gemeinsame Läuten der Glocken. Denn das Glockengeläut ist nicht nur Einladung zum Gottesdienst, es verbindet: Menschen mit Gott, Menschen untereinander, Himmel und Erde. Es lädt auch zum persönlichen Innehalten und zum Gebet. Besonders für die Menschen, die von Isolation oder Einsamkeit betroffen sind, kann es Trost spenden. Über den Glauben hinaus wird es als Heimat stiftend erfahren, ganz besonders auch in Billerbeck, wo das „Beiern“ oder händische Ausläuten der Glocken von St. Johann eine lange Tradition hat. 

 

Daran anknüpfend kam der Förderverein DomMusik Billerbeck auf die Idee, eine ganz besondere Art von Glocken zu ergänzen: ein sogenanntes Carillon, ein Turmglockenspiel. Es besteht aus gestimmten Kirchenglocken, mit denen zu bestimmten Zeiten verschiedene kurze Melodien gespielt werden können. Ihren Ursprung und größte Verbreitung haben Carillons in den Niederlanden, wo auch der Hl. Ludgerus geboren wurde. So wird das neue Carillon als Zeichen der Verbundenheit über Grenzen und Sprachen hinweg im Südturm des Domes installiert werden, also unmittelbar über dem Ort, an dem Ludgerus in Billerbeck verstarb. Zu diesem Zweck wurde bereits ein Gerüst an der Südseite des Turmes aufgebaut, welches neben dem Einbringen der Glocken auch Baumaßnahmen ermöglicht, die aus Gründen des Brandschutzes im Turm ohnehin ergänzt werden müssen, wie beispielsweise eine neue Treppenanlage im Südturm. 

 

Fertigung und Intonation des neuen Carillons liegen dabei in den Händen der renommierten „Königlichen Glockengießerei Eijsbouts“, seit 1872 beheimatet im niederländischen Asten, die zuletzt auch Glocken für bedeutende Kirchen wie die Kathedrale Notre Dame in Paris (2012) oder für den Paderborner Dom (2017/18) gegossen hat. Den Glockenstuhl wird die Billerbecker Zimmerei Ueding anfertigen. Im Unterschied zu den großen Glocken, die zu den Gottesdiensten geläutet werden, haben die wesentlich kleineren Glocken des Carillons allerdings einen verhaltenen, silbrigen und feinen Klang. Die Glocken werden dabei auch nicht ausgeläutet, sondern mit kleinen Hämmerchen angeschlagen. Da diese filigranen Töne der geplanten 23 kleinen Glocken aus der luftigen Höhe von etwa 40 Metern im Inneren des Turmes erklingen, werden sie eher leise und dezent auf der Marktseite des Domes wahrgenommen werden können. Die Fertigstellung ist für Ende Juli geplant. 

 

 

Die moderne Steuerungselektronik der vorhandenen Orgelanlage im Dom wird es dabei ermöglichen, das Turmglockenspiel vom Generalspieltisch der Domorgeln aus zu bedienen. Darüber hinaus lassen sich auch Melodien für bestimmte Zeiten programmieren. Tatsächlich ist das Turmglockenspiel ein Geschenk des Fördervereins DomMusik Billerbeck an die Pfarrgemeinde.

Einbau eines neuen Turmglockenspiels (Carillon) im Dom St. Ludgerus zu Billerbeck im Juli 2020. Es handelt sich um 23 Glocken, gegossen 2014 von der „Königlichen Glockengießerei Eijsbouts“ (Royal Eijsbouts Klokkengieterij) aus Asten (NL). 

 

Weitere Infos zum Glockenspiel: 

- Ort: im Südturm des Domes über der großen Ludgerus-Glocke (ges0) in einer Höhe von ca. 40 Metern, 

- Tonumfang: c2-d2-e2 und chromatisch bis c4 (d.h. 23 Glocken),  

- größte / tiefste Glocke (c2): Durchmesser 765 mm, Gewicht 260 kg, 

- kleinste / höchste Glocke (c4): Durchmesser 264 mm, Gewicht 15 kg, 

- insgesamt Gewicht: ca. 1500 Kg (ohne Glockenstuhl), 

- Material: Glockenbronze (Legierung aus mehreren Metallen, v.a. Zinn und Kupfer), 

- Anschlag über elektromagnetischen Spielklöppel, 

- Ansteuerung über Generalspieltisch der Domorgel und Glockenspiel-Computer. 

 

Weitere Infos zum Video:  

- Kamera, Schnitt und Ton: Thomas Kröger, Billerbeck, 

- Drohnenaufnahme zu Beginn: Christian Wiesner (maconsol), Billerbeck, 

- Musik 1. Teil:  "La Búsqueda de Ianna" von Epic Soul Factory, 

- Musik auf dem Carillon:  "Geh aus, mein Herz, und suche Freud", ein geistliches Sommerlied von Paul Gerhardt (1607–1676), gespielt von Lukas Maschke. 

 

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