Die St. Johannis-Kirche zeigt sich als eine dreischiffige, dreijochige Stufenhalle mit Stutzenwechsel und gebundenem System. Das Mittelschiff ist nur wenig höhergezogen. Auf ein ins Rechteck gestrecktes Mittelschiffjoch kommen je zwei rechteckige Seitenschiffjoche. Der glatte Chorabschluss des Mittelschiffes ist eine Eigentümlichkeit bei den westfälischen Kirchen. Die beiden Seitenschiffe enden in Apsiden mit einem offenen und einem Blendfenster.
Bei der gesamten Innenarchitektur sind starke französische Impulse nachweisbar; am sichtbarsten bei den Pfeilerbündeln: Nachbildungen aus den Kirchen Laon, Poitiers und Candes. Stärkere und schwächere Bündelpfeiler im Wechsel mit Rundsäulen, scheinbar gegen das Harmoniegefühl, lassen die künstlerische Freiheit und souveräne Begabung des Baumeisters erkennen und tragen wesentlich zur Beseelung des Raumes bei. Blattgeschlinge und Laubwerk an den viel beachteten Kapitellen der Säulen unterstreichen die Wirkung.
Acht Wulstrippen - die Rippen der Langsachse und im Chorraum auch die Querrippen setzen auf Maskenbildern auf - formen das Gewölbe der einzelnen Joche im Mittelschiff. Im Chorraum sind die Masken gut sichtbar. Im mythischen Ursinne sind die Bildnisse magische Heilzeichen; die den heiligen Stätten Schutz gewahren sollen. Die hoch oben im Gewölbe eingefugten Masken sind nicht für die Augen der Menschen bestimmt, sondern sie sind, mittelalterlichen Vorstellung entsprechend; auch ohne deren Zutun wirksam.
Die Achsialrippen münden in Lilienblüten, der Schlußstein der Diagonalrippen hängt in einer eigenwilligen Blütentraube tief herab. In den Seitenschiffen gliedern Grate, getrennt durch Gurte, das Gewölbe.
Die Ostwand des Chores ist durch ein großes, gotisches Blendfenster - um 1425 eingebrochen und vermutlichen 1715 zugemauert - aufgelockert, das an der Außenwand von einer gewaltigen Rundbogenblende gerahmt wird. Dieses Fenster wurde bei den Renovierungsarbeiten 1983 wieder geöffnet. Das Fenster wurde von der Firma Derix/Goch im Siebdruckverfahren erstellt.
An der Nordostecke befindet sich das spätgotische Sakramentshauschen. Bei der gotischen Umformung 1425 erfolgte der Anbau der Sakristei und der Durchbruch vom nördlichen Seitenschiff zum Chor. Rechts und links im Chor erheben sich die lebensgroßen Figuren des Weltheilandes und der Himmelskönigin. Sie sind Barockwerke von Gerhard Gröninger (1582 - 1652). Heinrich von Ledebuer, Archidiakon in Billerbeck, schenkte sie 1618.
Im Chorbereich wird während der Fastenzeit das „Hungertuch" ausgehangt. Das jetzige von 1932 ersetzt ein altes, schadhaft gewordenes.
Seit Ende 1994 befindet im Chorbogen wieder ein Triumphkreuz (um 1430). Das Kreuz (Holz) hing, zusammen mit zwei Nebenfiguren, Maria und Johannes (Sandstein), von 1959 - 1986 in der Kapelle des Liudger-Brunnens. Zuvor hingen Kreuz und Nebenfiguren auf dem ehemaligen Hof Kemper (heute Lülf-Stockmann) in der Bauernschaft Esking in einer kleinen Kapelle.
Ursprünglich sollen Kreuz und Nebenfiguren aus der Johannis-Kirche stammen und ihre Anschaffung konnte mit den baulichen Veränderungen von 1425 in Zusammenhang stehen.
Die Kanzel aus der Spatrenaissance wächst mit aufwendiger Dekoration kandelaberartig empor. Die Inschrift nennt Stifter und Jahr: AnnO 1581 heet Johan tho Boickholte ein Schulte tho Broecke neven dem Kerspel dit Werck in Goodes Ere vorverdigen laten.
Im Jahr 1986 wurde der Aufgang zur Kanzel neu gestaltet.
Im Mittelschiff befindet sich die polychromierte, gotische Doppelstrahlenmadonna aus der Zeit um 1480. Maria trägt das Kind, das dem Volk zugewandt das aufgeschlagene Buch des Lebens und auf der anderen Seite ein Traubenbündel hält.
Aus der gleichen Zeit (1480) stammt die Anna selbdritt in der nördlichen Seitenapsis: Mutter Anna, Maria und das Kind. Trotz des Steinmetzzeichens an der Figur ist der Meister nicht festzustellen. Das Rund der Apsis wird ausgefüllt mit der Pieta von Johann Wilhelm Gröninger.
Darunter die Bitte:
O Maria, Mutter voller smerzen,
ich bitte dich auß gantzen hertzen,
mache mich allezeit von sunden loß
und nehme mich auff in deinen schoß,
wollest mihr auch gnad erwerben,
wohl zu leben und sahlig zu sterben.
Der Künstler nennt sich und seine Ehefrau Anna Catharina Isfort als Stifter: A(nn)O 1715 d. 20. May.
Der Magdalenaltar im südlichen Seitenschiff (wahrscheinlich von Heinrich Gröninger) geht von der Renaissance in Frühbarock über. Die biblische Szene im Haus des Pharisaers gewinnt Leben und starke Dramatik. Unbekümmert um die kritischen Blicke der Tischgesellschaft wäscht Magdalena dem Herrn die Füße und trocknet sie mit Ihrem Haar. Die Büßerin darf die befreienden Worte vernehmen: „Remittuntur ei peccata multa, quoniam dilexit multum -Ihr sind viele Sünden vergeben, weil sie viel geliebt hat“. Die Inschrift lautet:
Zur Ehre des allmächtigen Gottes, des hl. Johannes des Täufers, der seligen Maria Magdalena und aller Heiligen ließ Herr Johannes Nyßing, zur Zeit Rektor, aus Liebe zur Schönheit des Gotteshauses diesen Altar auf seine Kosten errichten. Anna Domini 1611, 27. May.
Neben dem Altar an der Südwand ist mit Eisenhalterungen der mächtige Grundstein der zweiten Johannis-Kirche, der zu den ältesten Steinurkunden Westfalens zählt, angebracht. Lange Jahre lag der Stein unter dem alten Hauptaltar, bis er bei den Renovierungsarbeiten von 1930 wieder gefunden wurde. Der lateinische Text ist größtenteils noch gut zu lesen und in deutscher Übersetzung läßt sich folgender Text ermitteln:
Im Jahre seit der Menschwerdung unseres Herrn Jesus Christus eintausendvierundsiebzig (1074) sind diese Kirche und dieser Altar von dem ehrwürdigen Fridericus, dem 16. Bischof von Mimigardelord (Münster), geweiht worden zu Ehren unseres Herrn Jesus Christus und seines siegreichen Kreuzes, der heiligen Jungfrau Maria, des hl. Michael und aller Engel und Heiligen, deren Reliquien hier aufbewahrt werden, des heiligen Johannes des Täufers, der Heiligen Petrus, Paulus, Johannes und aller Apostel, des heiligen Stephanus, Laurentius, Vitus, Modestus, Briccius, Gangolf, Adalbert und aller Märtyrer (?), der Heiligen Remigius, Benediktus, Felix, Liudger und aller Bekenner, der heiligen Walburgis, Petronella, Crescentia und aller Jungfrauen sowie aller Heiligen. Hier wird auch vom heiligen Nagel des Herrn aufbewahrt ..."
In der ersten Zeilefinden wir die Jahreszeit 1074, in der Mitte der vierten Zeile den Namen des Patrons dieser Kirche, JOHANNIS BAPT(ISTA), Johannes des Täufers, und in der sechsten Zeile den Namen des heiligen LIUDGER.
Zwei weitere Gedenksteine weisen auf die letzten Renovierungsarbeiten. "Aedes haec renovate est anno Domini L930-31B.W."
Dieses Gotteshaus ist erneuert worden im Jahre des Herrn 1930-31 Benteler-Wörmann. (Architekt)
Der andere Stein weist auf die Renovierung 1981 - 1985 hin.
An der Rückwand des Chorraumes befindet sich der Grundstein der jetzigen Kirche. Sie wurde im Jahr MCCXX-XIV (1234} eingeweiht.
Im Jahre 1425 fand eine gotische Umformung einiger Fenster statt. Im gleichen Jahr wurde die Sakristei angebaut und das Sakramentshäuschen bekam ein Giebeldach mit geradem Maßwerkabschluß.
Zwei angebrachte Signierungen MCCCCXXV (1425), eine unter dem östlichen gotischen Fenster der Nordseite, die andere über dem Durchbruch vom Chorraum zum nördlichen Seitenschiff.
Das Renaissance-Altarbild an der Rückwand des südlichen Seitenschiffs, 1959 aus der Kapelle des Liudger-Brunnens übertragen, ist das Werk eines unbekannten Meisters aus dem Jahre 1609. Es lohnt sich, die bis in letzte Feinheiten
durchgearbeiteten Bilder und Gesichter zu betrachten. Das Hauptbild stellt die Kreuzigung dar, die anderen Bilder: Verkündigung, Geburt Christi, Geißelung, Christus vor Pilatus, Grablegung, Auferstehung.
Auch die rahmenden Beigaben (Saulen usw.) wollen beachtet werden. Die Inschrift lautet: Zu Ehren des allmächtigen Gottes, der heiligen Jungfrau, der hl. Anna sowie des hl. Johannes des Täufers und des hl. Antonius ließen Elbert von Palandt aus edlem Rittergeschlecht und Catharina Dobbe diesen Altar auf ihre Kosten errichten. Anno 1608.
An der Rückwand des nördlichen Seitenschiffes finden wir den Paulusaltar (1719). Das Flachrelief halt den Augenblick fest, da der Christenverfolger vor den Toren von Damaskus die Stimme Christi hört: „Saulus, Saulus, warum verfolgst du mich?" und vom Pferd stürzt. In dem Monogramm JWH auf dem Halsband des Hundes hat Johann Wilhelm Gröninger seinen Namen verewigt. Leider wurde das Altarbild lange als Bodenbelag des Chores benutzt. Teilstücke befanden sich in Privatbesitz. 1931 wurde es wieder aufgestellt. Das lateinische Chronogramm